Fußbodenheizung - "unsichtbare Raumwärme"



18.12.2017

Sparsame Komfortheizung: Auch heute gilt die Fußbodenheizung als Komfortheizung, die zudem sehr sparsam sein kann.


Prinzip Flächenheizung
Den Transport der im Heizkessel erzeugten Wärme übernimmt zumeist ein Pumpen-Warmwasserkreislauf. Anders jedoch, als in der weit verbreiteten Radiatorenheizung geben bei der Flächenheizung Fußböden oder Wände die Wärme an den Raum ab. Dazu wird eine nach gültiger Wärmeschutzverordnung bemessene und mit einer Feuchtigkeitssperre versehene Dämmung auf Rohboden oder Mauerwerk aufgebracht.

Bei Fußböden übernimmt diese zusätzlich die Aufgabe des Trittschallschutzes. Die wasserführenden Rohre aus Kunststoff, Metall oder einem Verbundmaterial aus diesen Materialien werden schlangen- oder spiralförmig auf der Dämmschicht verlegt, mittels Rohrclips oder auf speziellen Systemplatten befestigt und anschließend in den Putz oder Estrich eingebettet. Die Standardaufbauhöhen der Fußbodenheizung betragen je nach Dämmungsanforderung knapp 100 mm bis ca. 160 mm zuzüglich Oberbelag.

Der Verlegeabstand der Rohre bestimmt die maximale Leistung des Systems. Die Aufteilung der unterschiedlichen Heizkreise wird an einem zentral angeordneten kleinen Verteiler nach den zu beheizenden Räumen vorgenommen. Die Regelung der Wärmeabgabe erfolgt durch Änderung der Vorlauftemperatur und die Regulierung des Wassermassenstromes.

Pluspunkte
Die Warmwasserfußbodenheizung ist die bei uns gebräuchlichste Art der Flächenheizung. Sie bildet - über die Raumhöhe gesehen - ein angenehmes, weil nahezu konstantes, Temperaturprofil aus. Markante Abweichungen, wie sie andere Heizsysteme in Fußboden- bzw. Deckennähe aufweisen, kennt sie nicht. Durch den hohen Strahlungsanteil der Fußbodenheizung kann sich das Wohlbefinden des Menschen bereits bei etwa 2° C niedrigeren Raumtemperaturen, gegenüber einem konventionell beheizten Raum, einstellen. Ist die Heizungsanlage dazu noch optimal geregelt, lassen sich bei richtigem Nutzerverhalten sogar leichte Energieeinsparungen erzielen.

Faustregel: 1° C Übertemperatur im Raum verursacht etwa 6% mehr Heizkosten.
Als Niedertemperaturheizsystem mit Vorlauftemperaturen zwischen 35°C und 55°C ist die Fußbodenheizung optimal mit modernen Brennwertheizkesseln und Solarkollektoren kombinierbar. Vorteilhaft ist außerdem, daß aufgrund niedriger Oberflächentemperaturen des beheizten Fußbodens die sonst bekannte Staubaufwirbelung weitgehend vermieden wird. Gerade Allergiker schätzen neben der staubarmen Raumluft auch die erheblich reduzierte, wärme- und feuchtigkeitsbedingte Bildung von Hausstaubmilben, Pilzsporen und Keimen.

Der Verzicht auf die üblichen Raumheizkörper ermöglicht schliesslich Architekten und Bauherrn eine freizügige Raumgestaltung. Für die Verwendung von Oberbelägen in Kombination mit Fußbodenheizung steht eine Vielzahl geeigneter, teils speziell gekennzeichneter Produkte zur Verfügung. Egal, ob Teppichboden, Naturstein, Fliesen oder Parkett gewünscht wird.

Wichtig:

Auf Eignungs- und Verarbeitungshinweise des Belagherstellers achten. Der sogenannte Wärmeleitwiderstand des Oberbelages sollte nicht größer als 0,15 m2K/W sein. Außerdem darf es keine Beschränkung der Funktion der Fußbodenheizung auf eine "Zusatzheizung" geben! In der Vergangenheit kam es gerade in Verbindung mit Parkettböden hier zu Schäden!

Schattenseiten
Die „Kinderkrankheiten“ der Fußbodenheizung sind weitgehend überwunden. Die Verschlammung von Rohrnetzen und Heizkesseln sowie Schäden durch Sauerstoffkorrosion sind an jüngeren Heizungsanlagen kaum bekannt. Treten allerdings Rohrbrüche im Estrich auf, kann der Schaden erheblich sein.

Sauerstoffdiffusionsdichtes Rohr macht heute in der Regel den kostentreibenden Zusatz von Inhibitoren (chemische Sauerstoffbindung im Heizwasser) oder die hydraulische Abtrennung der Fußbodenheizkreise von der übrigen Anlage überflüssig.

Als nachteilig werden aber die etwas längere Anheizzeit und die schlechtere Regelfähigkeit bei schwankender Heizlast empfunden. Bei Sonneneinstrahlung durch große Fensterflächen z.B. reagiert die Fußbodenheizung aufgrund der Wärmespeicherung im Estrich zu träge. Das Öffnen der Fenster schafft Abkühlung, ist aber energetisch nicht sinnvoll. Die Ausrüstung mit Einzelraumregelungen, vergleichbar den Thermostatventilen am Heizkörper und heute per Heizungsanlagenverordnung zwingend vorgeschrieben, und die Reduzierung von Speichermassen durch geringere Estrichdicken hat Besserung gebracht.

Pfiffige Lösung:
besonders praktisch für die Modernisierung oder in schutzwürdigen Gebäuden - die kleinen Regeleinheiten sind inzwischen über Funkfernsteuerung, also ohne Kabelverlegung bedienbar.

Schliesslich ist zu beachten, daß durch nachträgliches Auslegen dicker Teppiche oder umfangreiche Möblierung die Wärmeabgabe der Fußbodenheizung negativ beeinflußt werden kann.

Kostenvergleich

Beim Kostenvergleich mit sonst üblichen Radiatoren kann die Warmwasserfußbodenheizung auf den ersten Blick etwa 20 bis 30% teurer sein. Aber: häufig werden Äpfel mit Birnen verglichen. Meist enthält die Kalkulation der Fußbodenheizung Kosten, die üblicherweise anderen Gewerken zuzuordnen sind. Dazu zählen u.U. die Rohrisolierung, die Trittschall- bzw. Wärmedämmung und der Estrich.

Systemvergleich

Abgesehen von einer Vielzahl herstellerspezifischer Konstruktionsdetails unterscheidet man zwei grundsätzliche Verlegearten der Warmwasserfußbodenheizung: die Trockeninstallation und die Nasseinbettung. Während bei Letzterer die Heizrohre oberhalb der Wärmedämmung und damit im Estrich liegen, werden die Leitungen für die Trockenverlegung in Vertiefungen der Wärmeisolierung eingelegt.

Die Estrichplatte liegt dann ohne Berührungspunkte zum Heizrohr oben auf. Wärmeleitbleche führen die Heizwärme vom Rohr zum Estrich und verbessern so wieder den Wärmeübergang. Zusätzlich sind etwas höhere Vorlauftemperaturen erforderlich. Statt des Estrichs können auch Trockenbauplatten verlegt werden.

Vorteil: die Standardaufbauhöhe der Naßverlegung von knapp 100 mm (Dämmung gegen beheizten Raum) reduziert sich um mindestens 20 mm. Daher wird im Altbau gerne trocken verlegt. Allerdings macht sich der Mehraufwand für die reduzierte Aufbauhöhe auch beim Preis bemerkbar.

Kosten
Während man für die Fußbodenheizung mit normaler Aufbauhöhe im Wohnungsneubau im Schnitt mit 25,- bis 35,- EURO pro m2 rechnen sollte, kann die Altbauvariante bei 35,- 51,- EURO je m2 liegen.

Eine Besonderheit ist der sogenannte Klimaboden. Anstelle von Heizrohren mit einem Außendurchmesser von 18 bis 22 mm kommen nur etwa 5 mm starke Kunststoffplatten mit einer Vielzahl von wasserführenden Kanälen zum Einsatz. Neben der verringerten Höhe besticht der Klimaboden mit einer gleichmäßigen Erwärmung des Bodens. Kosten: ca. 51,- bis 61,- EURO je m2 (bei allen Preisangaben sind regionale Schwankungen möglich).

Elektrische Fußbodenheizung

Die elektrische Fußbodenheizung folgt ebenfalls dem zuvor beschriebenen Konstruktionsaufbau in Nass- oder Trockenverlegung. Die Aufbauhöhen verhalten sich analog zur Warmwasserfußbodenheizung, abzüglich des Heizrohrdurchmessers, also knapp 80 mm bei Dämmung gegen beheizten Raum. Die Erwärmung erfolgt jedoch durch in den Estrich eingebettete elektrische Heizleitungen.

Die „ungesteuerte“ Fußboden-Direktheizung gibt ihre Wärme zeitnah überwiegend als Strahlung über den Estrich an den Raum ab. Der Bezug elektrischer Energie ist dabei nicht eingeschränkt. Anders bei der "gesteuerten" Variante. Um günstigere Stromtarife zu erhalten, wird dem Energieversorgungsunternehmen das Recht eingeräumt, in Spitzenlastzeiten den Strombezug zu sperren.

Um aus der Speichermasse des Estrichs dennoch "nach-wärmen" zu können, muß dieser stärker ausgeführt werden. Komforteinbußen sind aus diesem Grund nicht auszuschließen oder müssen durch weitere, schnell verfügbare Zusatzheizungen kompensiert werden. Nicht zuletzt aus diesen Gründen und wegen der kontrovers diskutierten energetischen Sinnhaftigkeit hat sich die elektrische Fußbodenheizung nicht durchsetzen können.

Nicht zu verwechseln ist die elektrische Fußbodenheizung mit einer elektrischen Zusatzheizung im Estrich, die zwar der zuvor beschriebenen Direktheizung vergleichbar ist, aber lediglich der zusätzlichen Fußbodentemperierung z. B. im Bad dient. Sie wird ergänzend zur konventionellen Radiatorenheizung installiert.

Quelle: www.wasserwaermeluft.de
Bild: MEV Verlag GmbH


Für Betriebe: #einfachmachen